Lagarde präsentiert EZB-Dreistufenplan gegen drohende Energieschocks durch Iran-Krise
Anett ZobelLagarde präsentiert EZB-Dreistufenplan gegen drohende Energieschocks durch Iran-Krise
EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellt Dreistufenplan gegen mögliche Energieschocks durch Iran-Konflikt vor
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat einen dreigliedrigen Plan skizziert, um mögliche Energieschocks infolge des Iran-Konflikts zu bewältigen. Die Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen sind und damit den globalen Handel sowie die wirtschaftliche Stabilität gefährden.
Der Ansatz der EZB richtet sich nach Schwere und Dauer der Inflationsrisiken und reicht von Untätigkeit bis hin zu einer entschlossenen geldpolitischen Straffung. Der erste Teil der Strategie sieht vor, kurzfristige Preissprünge bei Energie zu ignorieren. Laut der Zentralbank wäre eine Reaktion auf vorübergehende Schocks mit geldpolitischen Maßnahmen wegen der Verzögerungen bei der Wirkung ineffektiv. Diese Herangehensweise basiert auf der Annahme, dass sich die Inflationsauswirkungen verflüchtigen, bevor politische Änderungen greifen könnten.
Als zweite Option sind moderate Anpassungen der Geldpolitik vorgesehen, falls die Inflation das EZB-Ziel übersteigt, dieser Anstieg jedoch vorübergehend bleibt. Die Bank würde nur dann handeln, wenn die Abweichung bedeutend, aber nicht von langer Dauer ist. Die dritte und aggressivste Strategie erfordert hingegen eine starke und nachhaltige Reaktion, sollte sich die Inflation dauerhaft vom Zielwert entfernen.
Die aktuellen Ölpreise entsprechen dem worst-case-Szenario der EZB und liegen nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Verteilung. Die Angriffe der Huthi-Rebellen auf die Schifffahrt im Roten Meer Ende 2023 hatten den Verkehr durch den Suezkanal halbiert, und die Frachtvolumina haben sich bis heute nicht vollständig erholt. In einem schweren Schockszenario warnt die EZB vor einer leichten Rezession, bei der sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation über zwei Jahre hinweg erhöht bleiben könnten.
Die düstere Prognose geht von einer Stagnation der Eurozone für den Rest des Jahres 2026 aus, gefolgt von einer langsamen Erholung erst gegen Ende 2028. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) teilt diese pessimistische Einschätzung und sagt weltweit höhere Preise sowie ein schwächeres Wachstum voraus. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ergänzte, die Bank werde bei jeder Sitzung ein Probit-Modell nutzen, um zu bewerten, ob ein Eingreifen notwendig sei.
Marktprognosen zufolge könnte der Preis für Brent-Rohöl, der derzeit über 100 US-Dollar liegt, bis Ende 2026 auf 70 US-Dollar fallen, wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) schätzt. Goldman Sachs erwartet für 2026 einen Durchschnittspreis von 85 US-Dollar, während keine offizielle EZB-Prognose für Dezember 2025 vorliegt.
Der Dreistufenplan der EZB spiegelt die Unsicherheiten wider, die derzeit die Energiemärkte und die Inflation prägen. Angesichts der nahe an historischen Höchstständen liegenden Ölpreise und der weiterhin gestörten Schifffahrtsrouten stehen die Entscheidungsträger vor schwierigen Weichenstellungen. Die nächsten Schritte der Bank hängen davon ab, ob sich die Inflationsdrucke in den kommenden Jahren als vorübergehend oder als dauerhaft erweisen.






