Junge Hallenser schaffen bewegendes Mahnmal für 155 Shoah-Opfer
Edelgard HolzapfelJunge Hallenser schaffen bewegendes Mahnmal für 155 Shoah-Opfer
Eine Gruppe junger Menschen in Halle hat ein Mahnmal geschaffen, um an 155 jüdische Opfer der Shoah zu erinnern. Das Projekt, Teil der Initiative "Tagebuch der Gefühle", nutzt verrostete Rohre und Metallschrott, um Widerstandsfähigkeit zu symbolisieren. Ihre Arbeit umfasst zudem eine Gedenktafel, die am ehemaligen Vernichtungslager Sobibor angebracht werden soll.
Das Design, das in Zusammenarbeit mit dem Comic-Künstler Nils Oskamp entstand, zeigt zwei Hände, die zueinander greifen – eine große und eine kleine. Die kleinere Hand steht für Chana Baer, das jüngste bekannte Opfer aus Halle, das erst 16 Monate alt war, als es ermordet wurde.
Das Mahnmal-Projekt begann damit, dass die jungen Teilnehmer:innen das Leben der 155 jüdischen Männer, Frauen und Kinder recherchierten, die von Halle nach Sobibor deportiert wurden. Im Rahmen des Prozesses verfassten sie persönliche Reflexionen in einem "Tagebuch der Gefühle" und setzten sich so intensiver mit den Schicksalen der Opfer auseinander.
Die Gedenktafel trägt eine tiefe Symbolik: Die größere Hand repräsentiert Familien wie die Baers und die Sachs, die sich während der Verfolgung gegenseitig unterstützten. Ein ortsansässiger Steinmetz in Halle fertigt die Tafel an, finanziert ausschließlich durch Spenden, die die jungen Aktivist:innen gesammelt haben.
Im Juni 2026 plant die Gruppe eine Reise nach Sobibor. Dort werden sie die fertige Gedenktafel in Augenschein nehmen und mehr über die Geschichte des Ortes erfahren. Der Besuch bildet den Abschluss ihrer jahrelangen Bemühungen, das Andenken an die verlorene jüdische Gemeinschaft Halles zu bewahren.
Das Mahnmal wird als dauerhafte Ehrung für die in Sobibor Ermordeten stehen. Die von jungen Menschen gestaltete Tafel stellt sicher, dass die Geschichten der Opfer nicht in Vergessenheit geraten. Mit der Fertigstellung des Projekts fällt auch der Bildungsbesuch der Gruppe vor Ort zusammen – eine Verbindung zwischen Erinnerung und Lernen.






