Hettich-Mitarbeiter verzichten auf Gehaltserhöhung – um Millionen zu retten
Pavel FaustHettich-Mitarbeiter verzichten auf Gehaltserhöhung – um Millionen zu retten
Tausende Mitarbeiter des deutschen Möbelzulieferers Hettich haben sich bereit erklärt, eine anstehende Gehaltserhöhung zu verschieben. Die Entscheidung fällt in eine Phase massiver finanzieller Belastungen für das Unternehmen. Arbeitnehmer, die der Verzögerung zustimmen, werden im kommenden Jahr mehr als 1.000 Euro an Einkommen einbüßen.
Hettich hatte vorgeschlagen, die vereinbarte Lohnerhöhung von 3,1 Prozent um ein Jahr aufzuschieben. Ursprünglich sollte die Anpassung zum 1. April in Kraft treten und war Teil einer Tarifvereinbarung mit der Gewerkschaft IG Metall. Als Begründung für die Verschiebung verwies das Unternehmen auf anhaltende finanzielle Schwierigkeiten.
In den vergangenen fünf Jahren hatte die deutsche Möbelzuliefererbranche mit rückläufiger Produktion und sinkenden Umsätzen zu kämpfen. Hohe Energiekosten, Lieferkettenprobleme infolge des Ukraine-Kriegs, Inflation und ein Rückgang der Bautätigkeit verschärften die Lage. Wie viele andere Unternehmen der Branche leidet auch Hettich unter Rohstoffknappheit, steigenden Ausgaben und einem Nachfragerückgang von 20 bis 30 Prozent seit 2022. Dies führte zu Stellenabbau und Umstrukturierungen in der gesamten Branche.
Von der Verschiebung betroffen sind rund 2.000 Hettich-Mitarbeiter, von denen mindestens 90 Prozent dem Vorschlag zugestimmt haben. Durch den Aufschub der Gehaltserhöhung erhofft sich das Unternehmen eine Ersparnis in Höhe mehrerer Millionen Euro. Die IG Metall kritisierte den Schritt jedoch scharf und wirft dem Unternehmen vor, die Belegschaft unzumutbar unter Druck zu setzen.
Hettich wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen betonte, es habe vollständige Transparenz geboten und den Mitarbeitern eine individuelle Entscheidung ermöglicht. Die Lohnpause gilt für die nächsten zwölf Monate. Die betroffenen Arbeitnehmer werden dadurch mehr als 1.000 Euro weniger verdienen. Gleichzeitig strebt Hettich an, seine Finanzen inmitten der anhaltenden Branchenkrise zu stabilisieren.






