07 May 2026, 12:16

Halberstadts vergessene jüdische Vergangenheit kehrt aus dem Schatten zurück

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, mit zahlreichen weißen und blauen rechteckigen Blöcken in einem Gittermuster angeordnet.

Halberstadts vergessene jüdische Vergangenheit kehrt aus dem Schatten zurück

Halberstadts jüdische Geschichte wurde über Jahrzehnte hinweg verwischt und vernachlässigt – sowohl während der NS-Zeit als auch danach. Die einst blühende Gemeinde der Stadt wurde zwischen 1938 und 1942 systematisch zerstört, beginnend mit der Sprengung ihrer Synagoge. Aktuelle Forschungen und kulturelle Projekte bringen diese vergessene Vergangenheit nun ans Licht und zeigen, wie die DDR in den folgenden Jahren das jüdische Erbe weiter unterdrückte.

Der Niedergang des jüdischen Lebens in Halberstadt begann 1938 mit der Zerstörung der Synagoge, wie Pastor Martin Gabriel dokumentiert. Bis 1942 war die Gemeinde fast vollständig ausgelöscht. Nach dem Krieg unternahm die DDR kaum Anstrengungen, die Erinnerung an die jüdischen Opfer zu bewahren. 1949 entstand zwar am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge ein Mahnmal für die Opfer von Zwangsarbeit – doch selbst dieser Ort wurde später zweckentfremdet: 1979 nutzte man sein Tunnelsystem als militärisches Lager.

1969 wurde das Mahnmal umgestaltet, um als Stätte für öffentliche Treuegelöbnisse zu dienen – eine Abkehr von seiner ursprünglichen Bestimmung. Währenddessen blieb jüdische Kultur in der DDR weitgehend unsichtbar. Der Historiker Philipp Graf argumentiert in seinem Buch „Verweigerte Erinnerung“, die DDR habe das jüdische Erbe aktiv getilgt und keine anerkannte kulturelle Spur hinterlassen. Dennoch gab es vereinzelte Stimmen: Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati ließ sich 1952 in der DDR nieder und nahm in Ost-Berlin drei Schallplatten auf. Auch Romane wie „Die Bilder des Zeugen Schattmann“ von Peter Edel oder „Jakob der Lügner“ von Jurek Becker fanden Leser – doch sie blieben Ausnahmen.

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Jahrzehnte später hallten noch antisemitische Ressentiments nach. Als 2018 Halberstadts Rathauspassagen verkauft wurden, murmelten einige Anwohner von einem „Verkauf an die Juden“. Die Äußerung zeigte, wie tief verankert die Vorurteile selbst lange nach der Vernichtung der Gemeinde noch waren.

Halberstadts jüdische Vergangenheit bleibt eine fragmentarische Geschichte, die sich erst durch Forschung und verstreute kulturelle Zeugnisse rekonstruieren lässt. Die Unterdrückung dieses Erbes durch die DDR hinterließ nur wenige offizielle Dokumente, während aktuelle Vorfälle belegen, wie hartnäckig alte Feindbilder fortbestehen. Die Bemühungen, dieses Vermächtnis zurückzugewinnen, gehen weiter – doch die Lücken, die die Auslöschung hinterlassen hat, sind bis heute spürbar.

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