Chemieindustrie in Deutschland: Tarifabschlüsse und Werksschließungen prägen den radikalen Wandel
Pavel FaustChemieindustrie in Deutschland: Tarifabschlüsse und Werksschließungen prägen den radikalen Wandel
Deutschlands Chemieindustrie steht vor tiefgreifenden Umbrüchen, während Unternehmen umstrukturieren und Arbeitnehmer neue Tarifabschlüsse durchsetzen. Der US-Konzern Dow hat Werke in Ostdeutschland geschlossen, während ein neuer Flächentarifvertrag Lohnerhöhungen für die Beschäftigten vorsieht. Gleichzeitig nähert sich die Übernahme von Covestro durch den staatlichen Ölkonzern ADNOC dem Abschluss – ein Schritt, der den globalen Kunststoffmarkt neu ordnet.
Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC haben sich auf einen Tarifvertrag für die chemische Industrie in Deutschland geeinigt. Demnach erhalten die Beschäftigten 2027 eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent, gefolgt von weiteren 2,4 Prozent ab Januar 2028. Die Einigung fällt in eine Phase, in der die Branche mit anhaltenden Herausforderungen kämpft – von Produktionskürzungen bis zu Stellenabbau.
Das Ifo-Institut prognostiziert für 2026 weitere Rückgänge bei Produktion und Beschäftigung. BASF-Chef Markus Kamieth sprach von der "schwierigsten Phase seit 25 Jahren". Auch Dows Entscheidung, Standorte in Ostdeutschland zu schließen, spiegelt diese strukturellen Probleme wider.
In einer parallelen Entwicklung haben ADNOC und der österreichische Mineralölkonzern OMV die Unternehmen Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur neuen Borouge Group International (BGI) fusioniert. Der Konzern wird damit zum viertgrößten Kunststoffhersteller weltweit, wobei Covestro künftig unter seinem Dach agiert. Die Übernahme von Covestro durch ADNOC, die Ende 2025 abgeschlossen wurde, hat den Marktwert des Unternehmens von einst 14,7 Milliarden Euro auf rund 12,35 bis 12,41 Milliarden Euro im frühen 2026 sinken lassen. Die Covestro-Aktie notiert derzeit bei 59,54 Euro – nur knapp über der festgelegten Barabfindung von 59,46 Euro pro Aktie.
An der Spitze von BGI steht Roger Kearns als Vorstandsvorsitzender, während Stefan Doboczky die Position des Chief Commercial Officers (CCO) übernimmt.
Die deutsche Chemieindustrie durchläuft eine Phase des radikalen Wandels: Tarifabschlüsse bieten den Beschäftigten zwar eine gewisse Planungssicherheit, doch Werksschließungen und Produktionsrückgänge verdeutlichen die anhaltenden Schwierigkeiten. Gleichzeitig verändern ADNOCs Übernahme von Covestro und die Gründung von BGI die globale Kunststoffbranche nachhaltig. Wie die Unternehmen diese finanziellen und operativen Herausforderungen meistern, wird über die Zukunft des Sektors entscheiden.






