Berlin scheitert mit autofreier Innenstadt – trotz sinkender Pkw-Zahlen
Anett ZobelBerlin scheitert mit autofreier Innenstadt – trotz sinkender Pkw-Zahlen
Berlin bleibt Deutschlands Stadt mit den wenigsten Privatwagen – nur 329 pro 1.000 Einwohner. Diese Zahl sinkt seit Jahren kontinuierlich. Doch ein jüngster Vorstoß, den Autoverkehr im Stadtzentrum weiter einzudämmen, ist nun gescheitert, weil die nötige öffentliche Unterstützung ausblieb.
Die Initiative „Autofreies Berlin“ wollte den Pkw-Verkehr innerhalb des S-Bahn-Rings drastisch reduzieren. Laut Plan hätten nur noch Rettungsfahrzeuge, Taxis, Busse und kleine Elektrofahrzeuge dort fahren dürfen. Anwohner hätten jährlich zwölf selbst gewählte Tage für uneingeschränkte Fahrten in der Zone erhalten.
Vorgesehen waren auch Ausnahmen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, den Lieferverkehr und wirtschaftlich unverzichtbaren Verkehr. Kritiker warfen dem Vorhaben jedoch vor, es setze auf Verbote statt auf dringend nötige Infrastrukturverbesserungen – etwa den Ausbau des ÖPNV und sicherer Radwege.
Bis zum Stichtag am 8. Mai sammelten die Initiatoren gerade einmal 140.000 Unterschriften – deutlich weniger als die erforderlichen 174.000, um eine Abstimmung zu erzwingen. Selbst bei Erfolg wäre die Umsetzung schwierig gewesen: Es gab Zweifel an der Akzeptanz der Autofahrer und an der politischen Rückendeckung. Die CDU hatte bereits angekündigt, ein mögliches Referendumsergebnis zu ignorieren – ein Problem, das die Wirksamkeit solcher Bürgerbegehren generell infrage stellt.
Doch die grundsätzliche Stimmung in Berlin bleibt: Viele wollen weg vom Auto. Umfragen zeigen, dass 59 Prozent dafür sind, Autospuren in Bus- oder Straßenbahntrassen umzuwandeln, und 67 Prozent strengere Parkregeln fordern. Vorbild bleibt das Pariser Modell, wo Bürgermeisterin Anne Hidalgo mit ihrer fußgänger- und fahrradfreundlichen Politik die Stadt umgestaltet hat.
Das Scheitern der „Autofreien Berlin“-Initiative lässt die Verkehrszukunft der Hauptstadt ungewiss. Zwar befürworten viele Bürger Maßnahmen zur Autoreduzierung – doch politische und praktische Hürden bleiben. Ohne massive Investitionen in die Infrastruktur oder einen breiteren Konsens dürften größere Veränderungen auf Berlins Straßen vorerst ausbleiben.






