Asylanträge in Hessen halbieren sich – doch Wartezeiten steigen dramatisch
Edelgard HolzapfelGeringere Anzahl von Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern - Asylanträge in Hessen halbieren sich – doch Wartezeiten steigen dramatisch
Die Zahl der Asylsuchenden in Hessen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Offizielle Zahlen zeigen einen stetigen Rückgang von knapp 15.000 Antragstellern im Jahr 2023 auf nur noch rund 8.000 im Jahr 2025. Gleichzeitig blieb der Anteil der Anträge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern durchgehend gering und erreichte im Land nie einmal ein Prozent der Gesamtzahl.
Deutschland stuft zehn Staaten als sichere Herkunftsländer ein, darunter Albanien, Bosnien und Herzegowina, Georgien und Serbien. Nach deutschem Asylrecht handelt es sich dabei um Länder, in denen staatliche Verfolgung unwahrscheinlich ist und in denen die Behörden die Bevölkerung vor nichtstaatlichen Bedrohungen schützen können. Bundesweit sind die Anträge aus diesen Ländern seit 2020 stark zurückgegangen. Damals stellten rund 51.000 Menschen einen Asylantrag, doch 2021 sank die Zahl auf 18.000. 2022 ging sie weiter auf etwa 10.000 zurück und pendelt seither zwischen 8.000 und 12.000 pro Jahr.
In Hessen spiegelt sich dieser bundesweite Trend wider. Trotz des allgemeinen Rückgangs der Asylanträge blieb der Anteil aus sicheren Herkunftsländern in den letzten drei Jahren minimal. Kein einziges Land von der Liste kam auch nur annähernd auf einen Prozentanteil an den Gesamtanträgen des Bundeslandes.
Gleichzeitig hat sich die Verweildauer von Asylsuchenden in Erstaufnahmeeinrichtungen verlängert. Türkische Staatsbürger blieben im Jahr 2023 durchschnittlich 63 Tage in solchen Einrichtungen, 2025 waren es bereits 226 Tage. Syrier verzeichneten einen ähnlichen Anstieg: von 66 Tagen im Jahr 2023 auf 197 Tage im Jahr 2025. Nach deutschem Recht ist der Aufenthalt in diesen Einrichtungen normalerweise auf 18 Monate begrenzt, in Ausnahmefällen sind jedoch Verlängerungen möglich.
Die aktuellen Daten zeigen zwei klare Entwicklungen in Hessen: Die Asylanträge haben sich seit 2023 halbiert, während der Anteil aus sicheren Herkunftsländern nach wie vor vernachlässigbar bleibt. Die längeren Aufenthalte in den Aufnahmezentren deuten zudem auf Verzögerungen bei der Bearbeitung oder Weiterverlegung der Antragsteller hin – trotz der gesetzlichen Fristen.
Neues Gesetz erleichtert die 'sichere Herkunftsland'-Klassifizierung – könnte das die Asyltrends verändern?
Eine rechtliche Änderung, die am 1. Februar 2026 in Kraft tritt, hat den Prozess zur Einstufung von 'sicheren Herkunftsländern' vereinfacht. Die Bundesregierung kann nun per Verordnung 11 Staaten (einschließlich Moldau, Kosovo und Nordmazedonien) ohne die Zustimmung des Bundesrates als sicher einstufen. Diese Änderung erweitert die bestehende Liste auf 11 Länder und beseitigt bürokratische Hindernisse. Das erleichterte Verfahren könnte künftige Asylantragsmuster in Hessen beeinflussen, wo Anträge aus diesen Staaten bisher vernachlässigbar blieben.






