Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an der Berliner Staatsoper polarisiert
Anett ZobelAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an der Berliner Staatsoper polarisiert
An der Berliner Staatsoper feierte eine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Aufführung markierte ihre Rückkehr auf die deutsche Bühne, begleitet von anhaltenden Kontroversen über ihre früheren politischen Verbindungen. Vor dem Opernhaus versammelten sich derweil Demonstranten, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.
Die fast dreistündige Oper sah Netrebko in der Rolle der Amelia als Teil des Festspielprogramms der Staatsoper. Regisseur Rafael R. Villalobos brachte eine frische Deutung des Werks auf die Bühne, die Elemente der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise einwebte. Sowohl Orchester als auch Ensemble erhielten starken Applaus, während Netrebko vom Publikum mit begeistertem Jubel bedacht wurde.
Draußen skandierten etwa 50 Demonstranten unter ukrainischen Flaggen Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Proteste spiegelten die anhaltende Kritik an Netrebko wider, die seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 unter Beobachtung steht. Noch 2021 hatte sie ihren 50. Geburtstag im Moskauer Kreml gefeiert – ihre öffentliche Haltung hat sich seither gewandelt.
Die europäische Medienberichterstattung über Netrebko entwickelte sich von einer anfänglichen Ausgrenzung hin zu einer vorsichtigen Akzeptanz. Serge Dorny, der Direktor der Münchner Oper, kündigte kürzlich ihr Comeback mit einem Liederabend 2027 an und verwies dabei auf ihre öffentliche Distanzierung vom Krieg sowie die Ablehnung früherer Verbindungen zum russischen Regime. Zudem tritt sie nicht mehr in Russland auf – ein Schritt, der die Wahrnehmung ihrer Rückkehr auf große Bühnen beeinflusst.
Die Premiere von Un ballo in maschera verlief zwischen künstlerischer Anerkennung und öffentlichem Widerspruch. Während Netrebkos Auftritt im Saal mit Beifall bedacht wurde, zeugten die Proteste draußen von den anhaltenden Debatten über ihre politischen Verstrickungen. Ihre künftigen Auftritte, darunter das geplante Rezital 2027, werden voraussichtlich weiter im Fokus stehen – denn die Meinungen über ihre Karriere und Haltung bleiben gespalten.






