14 March 2026, 02:11

Zwei Legenden der deutschen Medien- und Underground-Szene sind tot

Ein Plakat mit einer Person mit kurzen, dunklen Haaren und einem ernsten Gesichtsausdruck, der ein weißes Hemd trägt, mit der schwarzen, fetten Schrift "Pan: Ein Satire-Journal" in der Mitte auf einem weißen Hintergrund.

Zwei Legenden der deutschen Medien- und Underground-Szene sind tot

Zwei prägende Persönlichkeiten der deutschen Medien- und Kulturlandschaft sind kürzlich verstorben. Franz Josef Wagner, der langjährige Bild-Kolumnist mit dem Spitznamen "Bild-Dichter", starb am 7. Oktober im Alter von 82 Jahren. Gleichzeitig verließ mit Alfred Hilsberg, einer Schlüsselfigur der Hamburger Underground-Szene, ein Mann die Bühne, der ein gänzlich anderes kulturelles Erbe hinterlässt.

Während Wagner jahrzehntelang mit seinen scharfen, oft polarisierenden Kolumnen die öffentliche Meinung prägte, war Hilsberg als kultureller Provokateur bekannt – etwa, als er Drogen einmal mit dem lapidaren Hinweis abtat, das Lesen der Bild sei sein bevorzugtes bewusstseinserweiterndes Ritual.

Franz Josef Wagner begann seine Karriere 1966 beim Axel-Springer-Verlag, stieg dort auf und wurde zu einer der prägendsten Stimmen der redaktionellen Führung. Über zwei Jahrzehnte lang, von 2001 bis zu seiner letzten Kolumne am 7. September 2022, verfasste er kurze, prägnante Texte in Briefform. Sein Stil blieb ungebrochen rechtskonservativ und reaktionär – was ihm sowohl treue Anhänger als auch scharfe Kritik einbrachte.

Neben seiner journalistischen Tätigkeit arbeitete Wagner als Ghostwriter für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. In der Unterhaltungsbranche wurde sein Name oft in einem Atemzug mit Persönlichkeiten wie James Last oder Fips Asmussen genannt – Figuren, die wie er Populismus mit Massenattraktivität verbanden. Seine Kolumnen, obwohl weit verbreitet, hinterließen jedoch kaum dokumentierte Spuren öffentlicher Debatten über Themen wie Religion, Nationalismus oder Popkultur.

Alfred Hilsberg, der mit 77 Jahren starb, schlug einen völlig anderen Weg ein. Als Impresario der Hamburger Underground-Szene lehnte er konventionelle Laster wie Bier oder Haschisch ab. Stattdessen behauptete er scherzhaft, das regelmäßige Lesen der Bild – ausgerechnet Wagners eigenes Blatt – wirke wie eine "bewusstseinserweiternde Droge". Diese ironische Bemerkung unterstrich den markanten Kontrast zwischen den beiden Männern und ihrem kulturellen Einfluss.

Wagners Rolle bei der Bild war eine symbiotische Beziehung: Die Zeitung bot ihm eine Plattform, und im Gegenzug lieferte er die provokanten Kommentare, die über Generationen hinweg den Ton des Boulevardblatts prägten.

Sein Tod markiert das Ende einer Ära für die Bild und den deutschen Boulevardjournalismus. Seine in Briefform verfassten Kolumnen spiegelten eine konsequente ideologische Haltung wider, die den Springer-Konzern mitformte – und von ihm geprägt wurde. Hilsbergs Ableben hingegen schließt ein weiteres Kapitel der deutschen Gegenkultur.

Es gibt kaum Aufzeichnungen darüber, wie Wagners spätere Arbeiten bei den Lesern ankamen. Doch sein Fehlen hinterlässt eine spürbare Lücke in einer Medienlandschaft, die er fast sechs Jahrzehnte lang mitgeprägt hat.

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