Zu wenige deutsche Batterien: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident kritisiert Autohersteller

Zu wenige deutsche Batterien: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident kritisiert Autohersteller
Zu wenige Batteriefabriken in Deutschland: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident kritisiert Autohersteller
Anreißer Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther übt scharfe Kritik am mangelnden Engagement der deutschen Automobilindustrie beim Aufbau von Batteriewerken.
Artikeltext
Der Plan Deutschlands, die eigene Batterieproduktion auszubauen, hat einen schweren Rückschlag erlitten: Das geplante 4-Milliarden-Euro-Werk des schwedischen Herstellers Northvolt in Heide wurde aufgegeben. Damit bleiben 3.000 versprochene Arbeitsplätze unbesetzt, und die Lücken in der deutschen Automobilstrategie werden offenkundig. Nun bemühen sich Landesvertreter, die verbliebenen Mittel umzuschichten und neue Investoren für den Standort zu gewinnen.
Northvolt hatte für das Werk in Heide rund 600 Millionen Euro an staatlich geförderter Finanzierung erhalten – unter anderem über eine Wandelanleihe der staatseigenen KfW-Entwicklungsbank, bei der Bund und Land Schleswig-Holstein jeweils die Hälfte der Bürgschaften übernommen hatten. Trotz der Förderung scheiterte das Projekt, das Unternehmen musste Insolvenz anmelden.
In den Wirtschaftsfachausschüssen des Landtages wurde kürzlich über die Neuverwendung der verbleibenden 264 Millionen Euro aus der Anleihe beraten. Der Großteil der ursprünglichen 600 Millionen war bereits in Maschinen und Grundstückskäufe geflossen. Unterdessen verhandelt das US-Unternehmen Lyten über den Bau einer kleineren Batteriefabrik am selben Standort.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) kritisierte die deutschen Autohersteller scharf, weil sie sich zu wenig in der heimischen Batterieproduktion engagierten. Ohne eigene Fabriken drohe Deutschland seinen Status als Industriestandort zu verlieren, warnte er. Zudem kündigte Günther rechtliche Schritte gegen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an: Ihr wirft er vor, Informationen über ein mögliches weiteres Batteriewerk im Kreis Dithmarschen zurückzuhalten.
Das Scheitern des Northvolt-Projekts offenbart strukturelle Schwächen der deutschen Automobilbranche. Zwar ist die Industrie stark von Batterien abhängig, doch die Produktion findet größtenteils im Ausland statt – mit der Folge, dass die heimischen Lieferketten anfällig bleiben.
Mit dem Aus für Northvolts Werk rückt nun Lytens geplante, kleinere Fabrik in den Fokus. Die verbliebenen Landesmittel könnten ein neues Projekt unterstützen, doch der Rückschlag zeigt, wie schwierig es ist, Deutschlands Batteriezukunft zu sichern. Die Verantwortlichen stehen unter Druck, weitere Verzögerungen beim Aufbau eigener Produktionskapazitäten zu vermeiden.

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