Wirtschaftselite streitet über Umgang mit der AfD und dem Quarantäne-Kurs
Edelgard HolzapfelWirtschaftselite streitet über Umgang mit der AfD und dem Quarantäne-Kurs
In Deutschlands Wirtschaftselite entzündet sich eine zunehmend hitzige Debatte darüber, ob der politische Quarantäne-Kurs gegenüber der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) aufrechterhalten werden soll. Während einige Unternehmer für einen Dialog plädieren, lehnen große Wirtschaftsverbände jede Zusammenarbeit mit der Partei weiterhin kategorisch ab. Der Streit offenbart tiefe Gräben bei der Frage, wie mit dem wachsenden Einfluss der AfD in Politik und Wirtschaft umgegangen werden soll.
Caspar Brockhaus, Chef der Brockhaus Group, wirft dem Quarantäne-Kurs vor, politischen und wirtschaftlichen Fortschritt zu blockieren. Er argumentiert, falls die aktuelle Koalition die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nicht stärke, müssten neue demokratische Bündnisse in Betracht gezogen werden. Seine Haltung steht im krassen Gegensatz zu Rainer Dulger, dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der jede Kooperation mit extremistischen Parteien – ob von rechts oder links – entschieden ablehnt.
Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbands, warnt, ein Dialog mit der AfD könnte die soziale Marktwirtschaft gefährden. Dirk Jandura, Präsident des Bundesgroßhandels-, Außenhandels- und Dienstleistungsverbands (BGA), besteht darauf, die AfD müsse sich zunächst klar von Extremismus distanzieren, bevor über Gespräche nachgedacht werden könne.
Auch aus den Reihen der Unternehmer kommt Kritik am Quarantäne-Kurs: Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Textilunternehmens Trigema, befürwortet zwar Zuwanderung, bezeichnet den Ausschluss der AfD aber als undemokratisch. Die Unternehmerin Sarna Rößer wirft den etablierten Parteien vor, mit ihrer Boykott-Haltung nur Arroganz zu demonstrieren.
Die Kontroverse zeigt eine Spaltung zwischen den großen Wirtschaftsverbänden und einzelnen Unternehmern. Während die Verbände an ihrer Ablehnung der AfD festhalten, fordern einige Wirtschaftsführer eine Neubewertung. Wie dieser Konflikt ausgeht, könnte die politische und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.






