14 March 2026, 14:16

Wenn Politiker als Schimpfwörter durchgehen – und Tiernamen teuer werden

Porträt von Hermann Boerhaave, einem deutschen Philosophen, mit Text am unteren Bildrand.

Wenn Politiker als Schimpfwörter durchgehen – und Tiernamen teuer werden

In Deutschland kann es juristische Konsequenzen haben, jemanden mit Tiernamen zu belegen – doch wer Politiker als Schimpfwörter nutzt, könnte auf der sicheren Seite sein. Roger "Flaming" Reisertsch, Jurist und Sprachwissenschaftler mit Schwerpunkt auf Beleidigungen, hat untersucht, welche Wörter rechtliche Risiken bergen und welche nicht. Seine Erkenntnisse deuten darauf hin, dass kreative Beschimpfungen helfen könnten, Bußgelder oder Klagen zu vermeiden.

Reisertsch erklärt, dass tierbezogene Beleidigungen – ob jemand als Affe, Kuh oder sogar Qualle bezeichnet wird – fast immer als kränkend gelten. Selbst die Bezeichnung "Pflaume", ein seltener fruchtbasierter Schimpf, kann rechtliche Folgen nach sich ziehen. Traditionelle Kraftausdrücke wie "Du Trottel!" oder "Schurke!" haben dagegen mit der Zeit an Schärfe verloren und führen heute nur noch selten zu juristischen Schritten.

Bei politischen Beleidigungen gelten jedoch andere Regeln. Während es bis zu 2.500 Euro Strafe kosten kann, jemanden als "SPD-Anhänger" zu bezeichnen, führte die Bezeichnung einer hochrangigen AfD-Politikerin als "Nazischlampe" zu einem Bußgeld von 1.200 Euro. Interessanterweise sind Ausdrücke wie "Du Orban!" oder "Du blöder Trump!" in Deutschland keine Straftatbestände – auch wenn Reisertsch zur Vorsicht rät. Die genaue rechtliche Bewertung von Begriffen wie "Nazi", "Schlampe" oder sogar der Abkürzung "NS" bleibt jedoch unklar.

Um Betroffenen die Orientierung zu erleichtern, hat Reisertsch ein Buch und eine Website namens gibmirkeinetiernamen.de veröffentlicht, auf der über 1.024 Politkernamen als Schimpfwörter aufgelistet sind. Die Seite bietet Alternativen für alle, die ihren Frust loswerden möchten, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Reisertschs Arbeit zeigt, wie Sprache und Recht auf unerwartete Weise zusammenhängen. Während Tiervergleiche und bestimmte politische Zuschreibungen nach wie vor rechtliche Risiken bergen, liefert seine Forschung eine Liste politikerbasierter Beleidigungen, die eine sicherere Ventilfunktion bieten könnten. Die Website und das Buch dienen inzwischen als Ratgeber für alle, die ihre Meinung deutlich äußern möchten, ohne dabei Strafen zu riskieren.

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