Warum Misstrauensgemeinschaften die Demokratie gefährden und Populisten stärken
Pavel FaustWarum Misstrauensgemeinschaften die Demokratie gefährden und Populisten stärken
Misstrauensgemeinschaften: Warum das Vertrauen in die Demokratie schwindet
Ein neues Buch des Soziologen Aladin El-Mafaalani untersucht, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie wächst. Unter dem Titel "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen, die das Vertrauen in Institutionen wie Gerichte, Medien und Wissenschaft verlieren, sich stattdessen populistischen Bewegungen zuwenden. Seine Forschung wirft ein Licht auf den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump oder der deutschen Rechtspopulisten von der AfD.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, argumentiert, dass misstrauische Menschen nicht isoliert handeln. Sie bilden enge Gruppen, die sich über ihre gemeinsame Skepsis gegenüber etablierten Institutionen definieren. Diese "Misstrauensgemeinschaften" organisieren sich heute leichter denn je über digitale Medien – und verstärken so ihre Überzeugungen und Strategien.
Der Aufstieg der AfD verdeutlicht diesen Wandel. 2013 als euroskeptische Partei gegründet, vollzog sie nach der Flüchtlingskrise 2015 eine radikale Wende hin zu einer anti-migratorischen Ausrichtung. Zwar verließen rund 21.000 Mitglieder die Partei, doch ihre Wählerbasis wuchs von 2017 bis 2020 stetig. Bei der Bundestagswahl 2025 verdoppelte die AfD ihr Ergebnis von 2021 – mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin.
Populistische Strategen nutzen dieses Misstrauen gezielt aus, erklärt El-Mafaalani. Allein der Nachweis, dass die AfD inkompetent sei, werde ihre Anhänger nicht zurückgewinnen. Stattdessen brauche es gezieltere Ansätze, um der Anziehungskraft des Rechtspopulismus entgegenzuwirken.
Die Erkenntnisse des Soziologen zeigen eine zentrale Herausforderung für liberale Demokratien auf: Je weiter sich das Misstrauen ausbreitet, desto mehr Menschen wenden sich Parteien zu, die demokratische Normen ablehnen. El-Mafaalanis Arbeit unterstreicht, dass es nicht reicht, Populisten zu diskreditieren – entscheidend sei vielmehr, das Vertrauen in die Institutionen zurückzugewinnen, die sie angreifen.






