03 April 2026, 22:11

Warum deutsche Firmen trotz Fachkräftemangel an zu niedrigen Löhnen festhalten

Blauer Hintergrund mit einem zentralen Gebäude-Graphik und Text, der besagt: "Unter Bidenomics hat die Arbeitslosigkeit seit 21 Monaten in Folge unter 4% gelegen. Das ist die längste Phase in über 50 Jahren."

Warum deutsche Firmen trotz Fachkräftemangel an zu niedrigen Löhnen festhalten

Deutsche Unternehmen kämpfen damit, qualifizierte Stellen zu besetzen – viele setzen die Löhne zu niedrig an, um Fachkräfte anzulocken. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass besonders schnell wachsende Firmen mit den größten Engpässen konfrontiert sind, vor allem in den Bereichen IT, Ingenieurwesen und Gesundheitsversorgung. Experten argumentieren, dass attraktivere Gehälter die Personalsuche erleichtern könnten – doch Unternehmen zögern oft, die Bezahlung anzupassen.

Zwischen 1993 und 2019 hatten schnell wachsende deutsche Unternehmen durchgehend größere Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu rekrutieren, als langsamer wachsende Betriebe. Daten der Bundesagentur für Arbeit offenbarten, dass in Branchen wie Softwareentwicklung, Maschinenbau und Pflege die Stellenausschreibungen zu 10 bis 15 Prozent unbesetzt blieben. Langsam wachsende Unternehmen verzeichneten dagegen nur Engpässe von 5 bis 8 Prozent, vor allem in Verwaltungsberufen. Mit dem Wirtschaftswachstum weitete sich diese Kluft weiter aus – besonders in gefragten Bereichen, die spezialisiertes Know-how erfordern.

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Viele Unternehmen erkennen nicht, wie viel sie zahlen müssten, um Fachkräfte zu gewinnen. Benjamin Friedrich, Professor für Strategie an der Kellogg School of Management, rät Firmen, die Löhne zu erhöhen, um Bewerber anzuziehen. Doch oft scheuen sich Unternehmen, höhere Gehälter auszuloben – aus Sorge, dass bestehende Mitarbeiter dann ebenfalls mehr Geld fordern. Andere zögern Anpassungen hinaus, weil eine spätere Lohnsenkung kaum durchsetzbar ist.

Das Problem verschärft sich, wenn Unternehmen keine ausreichenden Informationen über konkurrierende Stellenangebote haben. Diese "Informationsreibung" hält die Löhne künstlich niedrig und verlängert die Vakanzen. Im Januar 2026 gaben 88 Prozent der kleinen Betriebe an, kaum oder gar keine qualifizierten Bewerber zu finden – ein deutlicher Beleg für die Diskrepanz zwischen Bezahlung und Nachfrage. Selbst wenn Firmen die Löhne schließlich erhöhen, führen die Verzögerungen oft dazu, dass sie am Ende noch höhere Gehälter zahlen müssen, als wenn sie früher gehandelt hätten.

Die Rekrutierungsschwierigkeiten liegen jedoch nicht allein an der Suche nach Personal. Schnell wachsende Unternehmen, die auf spezialisierte Fähigkeiten angewiesen sind, haben deutlich größere Probleme als langsam wachsende Betriebe. Dies deutet darauf hin, dass Fehleinschätzungen bei der Lohnfestsetzung – und nicht nur ein Mangel an Bewerbern – eine zentrale Rolle spielen.

Die Daten zeigen ein klares Muster: Unternehmen unterschätzen den Wert bestimmter Positionen und zögern dann, die Löhne anzupassen. Diese Zurückhaltung verschärft die Personalengpässe, insbesondere in hochqualifizierten Branchen. Ohne bessere Lohnstrategien werden die Fachkräftemängel in Schlüsselsektoren wie IT, Ingenieurwesen und Gesundheitswesen voraussichtlich weiter bestehen.

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