Von 400 Exemplaren zur polarisierenden Stimme: Die ungewöhnliche Geschichte der Jungen Freiheit
Edelgard HolzapfelVon 400 Exemplaren zur polarisierenden Stimme: Die ungewöhnliche Geschichte der Jungen Freiheit
Dieter Stein gründete die Junge Freiheit (JF) 1986 im Alter von nur 18 Jahren. Die Zeitung startete mit einer bescheidenen Auflage von 400 Exemplaren – ein kleines Projekt ohne Gewinne, bei dem alle Beteiligten die Druckkosten gemeinsam trugen. Frühere Leser berichteten sogar, sie hätten befürchtet, allein wegen des Lesens der Zeitung abgehört zu werden. Trotz dieser bescheidenen Anfänge verlegte Stein die Redaktion bereits Anfang der 1990er-Jahre von Freiburg nach Berlin – lange bevor die Bundesregierung selbst in die wiedervereinte Hauptstadt umzog.
Die Zeitung entwickelte sich schnell zu einem umstrittenen Medium. 1993 versammelten sich rund 2.000 Demonstranten in Berlin, um gegen sie zu protestieren. Zwei Jahre später wurde Steins Auto vor dem Redaktionsgebäude in Brand gesteckt. Wiederholt wies er Vorwürfe zurück, die JF finanzielle Unterstützung von der rechtspopulistischen AfD erhalte.
Stein äußerte sich auch zu persönlichen Themen, darunter seine Haltung zum Wehrdienst. Zwar befürworte er grundsätzlich die Wehrpflicht, doch die Entscheidung darüber solle seinem Sohn überlassen bleiben. Zudem verwies er auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2005, das bestätigte, dass Geheimdienstberichte Grundrechte verletzen können – ein Beschluss, den er als wegweisend für die Pressefreiheit betrachtet.
Aus einem per Hand verteilten Studentenprojekt ist die Junge Freiheit zu einer Publikation geworden, die Proteste und juristische Debatten auslöst. Unter Steins Führung überstand sie finanzielle Engpässe und Sicherheitsbedrohungen. Bis heute bleibt die Zeitung eine polarisierende Stimme im deutschen Medienland – ihr Gründer thematisiert weiterhin politische wie private Kontroversen.






