Streit um Merz' Rentenreform: Soll das Geld in deutsche Firmen oder globale Märkte fließen?
Pavel FaustStreit um Merz' Rentenreform: Soll das Geld in deutsche Firmen oder globale Märkte fließen?
Die deutsche Bundesregierung plant ein neues, staatlich gefördertes Rentensystem mit höheren monatlichen Beiträgen. Der Vorschlag hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie die zusätzlichen Gelder angelegt werden sollen. Sowohl Kritiker als auch Befürworter äußern sich zu den möglichen Verwendungszwecken des Kapitals.
Laut dem Plan sollen Arbeitnehmer künftig zwei Prozentpunkte mehr in ihre monatliche Rentenversicherung einzahlen. Bundeskanzler Friedrich Merz schlug vor, dass diese Mittel vorrangig in deutsche Kapitalmärkte und Unternehmensbeteiligungen fließen sollen – statt in eine globale Streuung. Er schätzt, dass durch die Reform jährlich mindestens 30 Milliarden Euro in den Rententopf fließen werden.
Die Regierung könnte das Rentenvermögen zudem nutzen, um politisch gewünschte Projekte zu finanzieren. Dazu könnten Infrastrukturvorhaben, Gründerfonds oder sogar indirekte Unterstützung für die Rüstungsindustrie gehören. Eine weitere Option wäre die Einbindung der Deutschen Bahn in das System.
FDP-Chef Wolfgang Kubicki lehnt die Pläne entschieden ab. Die Idee, Rentengelder für Industriepolitik einzusetzen, nannte er „reinen Wahnsinn“. Kubicki besteht darauf, dass das Kapital verlässlich in globale Märkte investiert werden sollte – frei von politischem Einfluss.
Das neue System würde der Bundesregierung indirekten Zugang zu Hunderten von Milliarden Euro verschaffen. Sollte der Fonds hinter den globalen Marktdurchschnittswerten zurückbleiben, könnten künftige Rentner Grund zur Sorge haben. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, ob das Geld nationalen Zielen dienen oder unabhängig von politischen Entscheidungen bleiben soll.
