15 March 2026, 08:11

Privatnotizen aus den 1930ern: Ein Wiesbadener Familienzeugnis der NS-Zeit

Eine Karte von Wiesbaden, Deutschland, mit einem weißen Hintergrund und historischem Text, die verschiedene Blautöne, Grüntöne und Gelbtöne für verschiedene Bereiche innerhalb der Stadt zeigt.

Privatnotizen aus den 1930ern: Ein Wiesbadener Familienzeugnis der NS-Zeit

Ein seltener Blick in die Vergangenheit erwartet Besucher im Wiesbadener Stadtmuseum. Am Sonntag, dem 12. Oktober 2025, präsentiert der lokale Historiker Ralf A. Gmelin die privaten Aufzeichnungen seines Großvaters – ein persönliches Zeugnis des Lebens während der turbulenten 1930er-Jahre in Deutschland. Die kostenlose Matinee beginnt um 11:00 Uhr und ist Teil der Reihe "Lokalhistoriker – 4. Staffel" des Museums.

Die Veranstaltung mit dem Titel "1940. Die versunkene bürgerliche Welt" findet im Stadtmuseum am Marktplatz 3 statt. Gmelin wird aus den Manuskripten seines Großvaters Hans Gmelin lesen, diese erläutern und einordnen. Hans Gmelin hielt ab 1934 seine Erlebnisse fest – Notizen, die scharfsinnige Beobachtungen des gesellschaftlichen Umbruchs und des Machtantritts der NSDAP 1933 festhalten.

Hans Gmelin erlebte drei prägende Epochen: die Kaiserzeit, die Weimarer Republik und die frühen Jahre der NS-Herrschaft. Seine Aufzeichnungen bieten einen unmittelbaren Einblick in die Spannungen zwischen Tradition und raschem politischem Wandel. Zwar stehen persönliche Reflexionen im Vordergrund, doch spiegeln sie auch die allgemeinen Ängste der Zeit wider.

Die Matinee erhebt keinen Anspruch darauf, konkrete Veränderungen der bürgerlichen Gesellschaft in Wiesbaden oder der Rhein-Main-Region detailliert nachzuzeichnen. Stattdessen wirft sie einen nahen Blick auf die Erfahrungen einer Familie angesichts der wachsenden Bedrohung durch Diktatur und Gewalt.

Die Teilnehmer hören Auszüge aus den Originaldokumenten – eine Stimme aus einer Epoche, die oft von Schweigen und Unterdrückung geprägt war. Die Veranstaltung möchte Geschichte mit der Gegenwart verbinden und zeigt, wie persönliche Schicksale eine komplexe Zeit erhellen können. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

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