14 March 2026, 12:11

Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren der Haft und des Widerstands

Ein rotes und weißes Kissen mit der Aufschrift "Justiz für Belarus" auf einem weißen Hintergrund.

Spätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren der Haft und des Widerstands

Die belarussische Oppositionsfigur Maria Kolesnikowa hat den Internationalen Karlspreis nun endlich persönlich entgegengenommen – zwei Jahre nach der Verleihung. Die feierliche Übergabe fand am Samstag im historischen Krönungssaal von Aachen statt. Kolesnikowa, die wegen ihrer Rolle bei Protesten gegen den autoritären Machthaber Belarusslands inhaftiert worden war, kam Ende 2025 frei und lebt seitdem unter politischem Asyl in Deutschland.

Der Internationale Karlspreis würdigt seit 1950 herausragende Verdienste um Europa. Zu den früheren Preisträgern zählen Papst Franziskus, Emmanuel Macron und Bill Clinton. 2022 wurde Kolesnikowa für ihren "außergewöhnlichen Mut" im Kampf für demokratische Rechte und freie Wahlen in Belarus ausgezeichnet.

Damals konnte sie die Auszeichnung nicht persönlich annehmen, da sie zu elf Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden war – wegen der Organisation von Protesten gegen Alexander Lukaschenko. Ihre Freilassung erfolgte im Dezember 2025 nach jahrelangem internationalen Druck. Deutschland gewährte ihr anschließend Asyl, was ihr die Teilnahme an der diesjährigen Preisverleihung ermöglichte.

Unterdessen hält Lukaschenko Belarus weiterhin mit harter Hand im Griff. Das Regime geht unerbittlich gegen Oppositionelle vor; jüngste Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit alten Social-Media-Beiträgen, darunter Fälle, die auf die Hajun-Datenleaks von 2022 zurückgehen. Am 12. März 2026 stufte die Regierung die Social-Media-Kanäle der Menschenrechtsorganisation IGFM als "extremistisch" ein, während der Internationale Strafgerichtshof vorläufige Ermittlungen zu belarussischen Deportationsverbrechen aufnahm. Von großen Protesten ist nichts bekannt, und die Regierung hat ihre militärische Zusammenarbeit mit Russland vertieft – einschließlich der Stationierung taktischer Atomwaffen. Deutschland und die Schweiz haben inzwischen Reisewarnungen für die Region ausgesprochen.

In diesem Jahr ging der Karlspreis an Mario Draghi, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank und Italiens Ex-Ministerpräsidenten.

Kolesnikowas verspätete Annahme des Preises stellt einen seltenen Moment der Würdigung für die bedrängte belarussische Opposition dar. Ihr Fall verdeutlicht die anhaltende Repression unter Lukaschenko, dessen Regierung eng mit Russland verbunden bleibt. Von einer Lockerung der Unterdrückung oder der internationalen Isolation des Regimes ist nichts zu erkennen.

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