Kölner Dom: Soll der Eintritt bald Geld kosten und Besucher ausschließen?
Bianca StiebitzEhemaliger Dom-Architekt kritisiert geplante Eintrittspreise für den Kölner Dom - Kölner Dom: Soll der Eintritt bald Geld kosten und Besucher ausschließen?
Pläne, Besucher für den Eintritt in den Kölner Dom Gebühren zahlen zu lassen, haben in Deutschland heftigen Widerstand ausgelöst. Die weltberühmte Kathedrale, die jährlich sechs Millionen Menschen anzieht, könnte ab Ende 2026 Eintrittsgelder erheben – die genaue Höhe steht jedoch noch nicht fest. Kritiker warnen, dass eine solche Maßnahme den Charakter des Doms als öffentlicher und spiritueller Ort für alle gefährden würde.
Die Debatte über Eintrittsgelder an historischen und religiösen Stätten hat in den letzten Jahren an Schärfe gewonnen. Vorschläge für Gebühren, etwa am Lübecker Holstentor 2024 oder am Kölner Dom 2023, stießen auf massive Proteste. Petitionen – darunter eine mit über 100.000 Unterschriften gegen die Kölner Pläne – betonten die Sorge um Zugänglichkeit und kulturelles Erbe. Viele dieser Vorhaben wurden später fallen gelassen oder stark abgemildert.
Barbara Schock-Werner, die ehemalige Dombaumeisterin des Kölner Doms, ist eine der prominentesten Gegnerinnen der aktuellen Gebührenpläne. Sie warnt, dass Eintrittsgelder Besucher abschrecken und den grundlegenden Charakter der Kathedrale verändern könnten. Für sie ist der Dom ein "missionarisches Angebot der Kirche", das alle willkommen heißen soll – nicht nur diejenigen, die es sich leisten können.
Schock-Werner unterstreicht zudem die spirituelle Bedeutung des Doms, der die Reliquien der Heiligen Drei Könige beherbergt und seit Jahrhunderten als Symbol des Glaubens gilt. Die geplante Gebühr nennt sie "höchst problematisch" und befürchtet, dass aus einem Ort der Andacht eine Attraktion für Wohlhabende werden könnte. Zwar räumt sie ein, dass zusätzliche Finanzmittel nötig seien, doch müssten alternative Lösungen gefunden werden, um den inklusiven Charakter des Doms zu bewahren.
Der Streit spiegelt die grundsätzliche Spannung wider, die zwischen finanziellen Notwendigkeiten und dem öffentlichen Zugang zu kulturellen Wahrzeichen besteht. Die Verantwortlichen des Kölner Doms haben die genaue Ausgestaltung der Gebühren noch nicht festgelegt, doch der Widerstand bleibt ungebrochen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, könnte dies die Art und Weise, wie Millionen von Menschen eines der bedeutendsten religiösen Bauwerke Deutschlands erleben, nachhaltig verändern.