12 March 2026, 08:11

Grimme Online Award: Zwei Regisseure lehnen Preis aus Protest ab

Ein Mann im Anzug und Krawatte steht an einem Rednerpult mit einem Mikrofon und spricht vor einem Publikum mit einem Banner im Hintergrund, wahrscheinlich in Reaktion auf ein Regierungsverbot von Social Media.

Grimme Online Award: Zwei Regisseure lehnen Preis aus Protest ab

Die diesjährige Verleihung des Grimme Online Awards (GOA) nahm eine unerwartete Wendung, als zwei Regisseure ihre Auszeichnung aus Protest ablehnten. Moritz Riesewieck und Hans Block verließen die Bühne, nachdem sie ihren Preis auf dem Podium zurückgelassen hatten. Ihre Demonstration folgte auf die Aberkennung eines Preises für die Journalistin Judith Scheytt, die wegen Vorwürfe des Antisemitismus für Kontroversen gesorgt hatte.

Auch andere digitale Projekte wurden bei der Veranstaltung geehrt, darunter Social-Media-Kanäle, die sich mit psychischer Gesundheit, der Sensibilisierung für Behinderungen und geschlechtsspezifischer Gewalt befassen.

Der Streit begann, als der unabhängige Förderverein Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises Scheytts Auszeichnung zurückzog. Kritiker hatten Bedenken wegen angeblich antisemitischer Äußerungen in Zusammenhang mit ihrer Arbeit geäußert. Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu bezeichnete die Entscheidung später als "formell inkorrekt" und kündigte an, die Zusammenarbeit mit dem Verein vollständig zu beenden.

Während der Gala lehnten Riesewieck und Block – Preisträger in einer anderen Kategorie – ihren Preis öffentlich ab. Sie stellten ihn auf das Podium und verließen wortlos die Bühne, um ihre Haltung unmissverständlich klarzumachen.

Trotz der Kontroverse wurden bei der Preisverleihung mehrere bemerkenswerte Projekte gewürdigt. Der Instagram-Kanal Little Monsters (WDR) erhielt eine Auszeichnung für seine Berichterstattung über psychische Gesundheitstrends bei jungen Menschen. Barrierebrecher wurde für die Darstellung der alltäglichen Herausforderungen von Menschen mit Behinderungen geehrt. Der Kanal Femizide stoppen wiederum wurde für seine Dokumentation von Femiziden in Deutschland prämiert.

Zu den weiteren Gewinnern zählte Gynaekollege, ein Instagram-Kanal des Arztes Mertcan Usluer, der verständliche Informationen zu gynäkologischer Gesundheit bietet. Auch der TikTok-Kanal Know & Grow (SWR für funk) erhielt einen Preis für die Entlarvung gängiger Fitness- und Gesundheitsmythen.

Das Grimme-Institut wird künftig unabhängig vom Förderverein agieren, der Scheytts Auszeichnung entzogen hatte. Uzunoğlu bestätigte, dass alle zukünftigen Entscheidungen in der Verantwortung des Instituts liegen werden. Der Protest von Riesewieck und Block sowie die Würdigung der digitalen Medienprojekte haben dieser Preisverleihung einen bleibenden Stempel aufgedrückt.

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