Gewalt gegen Bahnmitarbeiter erreicht alarmierenden Höchststand – und die Politik streitet über Lösungen
Anett ZobelGewalt gegen Bahnmitarbeiter erreicht alarmierenden Höchststand – und die Politik streitet über Lösungen
Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt dramatisch zu – Gewerkschaften fordern mehr Schutz
In den vergangenen Jahren hat die Gewalt gegen Bahnbeschäftigte stark zugenommen und löst dringende Forderungen nach besseren Schutzmaßnahmen aus. Allein 2025 wurden über 3.000 Angriffe registriert – im Schnitt fünf körperliche Übergriffe pro Tag in den ersten zehn Monaten. Besonders in den Fokus rückte das Problem nach dem tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. im Februar 2026, der Gewerkschaften und Behörden zum Handeln zwang.
Nach dem Vorfall forderte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wiederholt die verpflichtende Einführung von Zweipersonen-Besetzungen in Zügen. EVG-Chef Martin Burkert kritisierte die Reaktion der Regierung scharf und warnte, dass die Gewalt gegen das Frontpersonal weiter steigen werde, wenn keine Konsequenzen gezogen würden. Die Verkehrsministerkonferenz lehnte jedoch bundesweite Vorgaben ab und überließ die Entscheidungen den regionalen Behörden.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) spricht sich gegen eine pauschale Zweipersonen-Regelung aus. Stattdessen befürwortet er flexible Personalplanung je nach Bedarf und regionalen Gegebenheiten. Gleichzeitig begrüßte der VDV die jüngsten Sicherheitsmaßnahmen der Deutschen Bahn, darunter Körperkameras für Servicekräfte und den Verzicht auf Ausweiskontrollen bei Fahrkartenprüfern. Der Verband räumte ein, dass diese Schritte zusätzliche Kosten verursachen, lehnte sie aber nicht grundsätzlich ab.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder prüft derzeit die neuen Sicherheitskonzepte und will deren Wirksamkeit bis Ende April bewerten. Zudem führte er Gespräche mit zuständigen Stellen, um die Überwachung an Bahnhöfen zu verbessern. Schnieder betonte jedoch, dass zusätzliche Mittel im Rahmen des bestehenden Bundeshaushalts bleiben müssten – was die finanziellen Spielräume für umfassendere Reformen einschränkt.
Obwohl die Deutschen Bahn mit ihren jüngsten Sicherheitsupdates Angriffe auf Mitarbeiter eindämmen will, fordern Gewerkschaften weitergehende Maßnahmen. Die Ablehnung bundesweiter Zweipersonen-Regelungen überlässt es den regionalen Betreibern, eigene Sicherheitsstandards festzulegen. Schnieders Evaluation im April wird zeigen, ob weitere Schritte nötig sind, um die anhaltende Gewalt in den Griff zu bekommen.






