Finanzierungslücke von 40 Milliarden droht: Wie die GKV bis 2030 gerettet werden soll
Anett ZobelFinanzierungslücke von 40 Milliarden droht: Wie die GKV bis 2030 gerettet werden soll
Die Gesundheitsfinanzierungskommission Deutschlands hat ihren ersten Bericht zur Stabilisierung des gesetzlichen Krankenversicherungssystems (GKV) vorgelegt. Die Vorschläge zielen darauf ab, eine prognostizierte Finanzierungslücke von über 15 Milliarden Euro bis 2027 und mehr als 40 Milliarden Euro bis 2030 zu verhindern. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die Empfehlungen zeitnah zu prüfen und ab 2027 gesetzgeberische Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Systemfinanzen einzuleiten.
Die GKV steht seit Jahren unter zunehmendem finanziellen Druck. Zwischen 2025 und 2026 stieg der durchschnittliche Beitragssatz von 17,1 auf den Rekordwert von 17,5 Prozent – angetrieben durch die Erhöhung des Zusatzbeitrags von 2,5 auf 2,9 Prozent. Zu den Hauptgründen für das wachsende Defizit zählen ungleiche Beitragslasten, etwa weil Beamte, Selbstständige und Gutverdiener nicht in das System einzahlen, sowie hohe Kosten durch Forderungen anderer EU- und EWR-Staaten, darunter 185 Millionen Euro aus Österreich und 132 Millionen Euro aus Polen allein im Jahr 2025.
Der Bericht der Kommission umfasst 66 Empfehlungen, die nach ihrer erwarteten Wirkung in drei Kategorien unterteilt sind. Zu den positiv bewerteten Maßnahmen gehört die schrittweise Einführung einer verpflichtenden Zweitmeinung vor häufig durchgeführten Operationen. Als neutral eingestuft werden unter anderem die Erhöhung der Tabak- und Alkoholsteuern, die Einführung einer gestaffelten Abgabe auf zuckerhaltige Getränke sowie die Abschaffung besonderer Vergütungsregelungen für TSVG-Fälle. Ein weiterer neutraler Vorschlag ist die Streichung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern.
Einige Empfehlungen bergen jedoch unsichere oder potenziell negative Folgen. So könnte die Streichung der vollständigen GKV-Finanzierung von Pilotstudien Auswirkungen auf die Versorgungsqualität, den Zugang zu Leistungen oder deren gerechte Verteilung haben.
Der Bericht sieht einen Zeitplan für die Umsetzung vor: Stabilisierungsmaßnahmen sollen bis März 2026, strukturelle Reformen bis Dezember 2026 umgesetzt werden. Ohne Gegenmaßnahmen droht der GKV bis 2030 ein historisches Defizit von über 40 Milliarden Euro. Die Regierung steht nun vor der Aufgabe, die Vorschläge zu prüfen und die notwendigen Änderungen auf den Weg zu bringen, um die Zukunft des Systems zu sichern.






