Europas Industrie warnt vor Kollaps durch explodierende CO₂-Kosten im Emissionshandel
Pavel FaustEuropas Industrie warnt vor Kollaps durch explodierende CO₂-Kosten im Emissionshandel
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben einen Brief an die EU-Spitze gerichtet. Zu den Unterzeichnern, darunter ArcelorMittal, BP und BASF, zählen Konzerne, die dringende Maßnahmen zur Eindämmung der steigenden Kosten im Rahmen des EU-Emissionshandels fordern. Sie warnen, dass ohne Gegensteuerung die industrielle Basis Europas weiteren Schaden nehmen könnte.
Der an den EU-Ratspräsidenten António Costa und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides adressierte Brief thematisiert die Sorgen der Unternehmen über das aktuelle Emissionshandelssystem. Die Firmen argumentieren, dass das System nicht mehr mit den globalen Realitäten im Einklang stehe, da Europa seine Industrien mit rasant steigenden CO₂-Kosten belaste, während es weitgehend allein handle.
Nach den EU-Vorgaben müssen Industrieanlagen Zertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen erwerben. Der Großteil dieser Berechtigungen wird inzwischen über den Markt bezogen, was die Kosten in die Höhe treibt, wenn Unternehmen ihre Emissionen langsamer reduzieren, als die verfügbaren Zuteilungen schrumpfen. Zudem hat das EU-Klimapaket „Fit for 55“ begonnen, die kostenlose Vergabe von Zertifikaten schrittweise abzubauen.
Die Hersteller kritisieren, dass die notwendige Infrastruktur für Strom, Wasserstoff sowie den Transport und die Speicherung von CO₂ noch immer fehle oder unzureichend sei. Dieser mangelnde Ausbau untergrabe ihrer Ansicht nach die Voraussetzungen für die industrielle Transformation. Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein – eine Abgabe auf kohlenstoffintensive Importe. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen vor allem in Klimaschutzprojekte, etwa den Ausbau von Wasserstoffnetzen für die Industrie.
In dem Schreiben fordern die Unternehmen unverzügliche Reformen des Emissionshandels, um die wirtschaftliche Belastung der europäischen Industrie zu verringern. Ohne Änderungen, so die Warnung, könnten die steigenden Kosten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie weiter schwächen. Der Appell erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die EU eine Überarbeitung ihrer Emissionshandelspolitik vorbereitet.






