Deutschland stoppt russische Ölimporte – wie die PCK-Raffinerie Schwedt die Wende schaffte
Anett ZobelBSW-Vorsitzende: Russisches Pipeline-Öl für PCK Schwedt erneut - Deutschland stoppt russische Ölimporte – wie die PCK-Raffinerie Schwedt die Wende schaffte
Deutschland hat die russischen Ölimporte über die Druschba-Pipeline vollständig eingestellt und den Umstieg bis September 2023 abgeschlossen. Die PCK-Raffinerie in Schwedt, die einst von russischen Lieferungen abhängig war, bezieht nun Ersatzquellen aus dem Westen. Trotz anfänglicher Bedenken haben sich die Preise für Kraftstoffe und Heizöl in Brandenburg und Sachsen-Anhalt bis Mitte 2024 unter das Niveau von vor 2022 stabilisiert.
Unterdessen haben die USA die Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend gelockert und erlauben den Kauf bereits verschiffter Ladungen bis zum 11. April. Dieser Schritt findet Unterstützung bei deutschen Politikern, darunter Amira Mohamed Ali vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).
Die PCK-Raffinerie in Schwedt verarbeitete früher ausschließlich russisches Öl, das über die Druschba-Pipeline geliefert wurde. Nach dem Stopp dieser Importe durch Deutschland Anfang 2023 stellte der Betrieb bis September desselben Jahres auf westliche Bezugsquellen um. Die Raffinerie versorgt Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teile Westpolens, darunter den Flughafen Berlin Brandenburg (BER).
Preissprünge bei Heizöl und Kraftstoffen im Jahr 2023 hatten in den betroffenen Regionen zunächst Sorgen ausgelöst. Durch diversifizierte Importe und Verschiebungen auf dem Weltmarkt stabilisierten sich die Kosten jedoch bis Mitte 2024 – die Preise liegen nun niedriger als vor der Energiekrise 2022. Über Nord Stream 1 fließt seit dem Sommer 2022 kein russisches Gas mehr, und Nord Stream 2 wurde nie in Betrieb genommen.
Amira Mohamed Ali, Bundesvorsitzende der BSW, fordert eine Rückkehr zu russischem Pipeline-Öl und warnt vor Deindustrialisierung durch hohe Energiepreise. Zudem plädiert sie für die Wiederaufnahme von russischen Erdgaslieferungen über Nord Stream. Ihre Äußerungen erfolgten nach einer Ankündigung des US-Finanzministeriums, wonach Länder vorübergehend russisches Öl kaufen dürfen, das sich bereits auf dem Transport befindet – die Ausnahmeregelung endet am 11. April.
Die PCK-Raffinerie arbeitet mittlerweile ohne russisches Öl, und die regionalen Spritpreise haben sich unter den früheren Höchstständen eingependelt. Die Lockerung der US-Sanktionen eröffnet zwar ein kurzes Zeitfenster für den Kauf russischen Öls, doch bleibt die Wirkung begrenzt. Deutschlands Energiewende schreitet derweil voran – eine baldige Wiederbelebung der Nord-Stream-Gaslieferungen oder der Druschba-Ölimporte ist nicht geplant.