Berlin verliert sein einzigartiges Lettering-Museum – 3.500 Neonbuchstaben in Not
Anett ZobelBerlin verliert sein einzigartiges Lettering-Museum – 3.500 Neonbuchstaben in Not
Berlins Lettering-Museum schließt am Montag seine Türen – 3.500 Neonbuchstaben suchen neues Zuhause
Das Berliner Lettering-Museum, in dem rund 3.500 Neonbuchstaben ausgestellt sind, wird am Montag endgültig schließen. Steigende Kosten und ein drastischer Rückgang der Besucherzahlen seit der Pandemie machen den Weiterbetrieb unmöglich. Zu den Exponaten gehört unter anderem der legendäre Dekorative Fisch, eine Neoninstallation am Frankfurter Tor, die dort über 40 Jahre lang leuchtete.
Das Museum eröffnete 2017 in einem S-Bahn-Bogen (Nr. 424) nahe dem Bahnhof Bellevue in Mitte und bewahrt historische Leuchtschriften aus Berlin, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele Stücke stammen noch aus der DDR-Zeit, darunter Ladenschilder, Bahnhofsbeschilderungen und institutionelle Schriftzüge. Eines der bekanntesten Exponate, der Neon-Dekorative Fisch, wurde Anfang der 1980er-Jahre erstmals installiert. Um 1999 ersetzte eine Replik das Original, doch das Museum bewahrt beide Versionen auf.
Der ursprüngliche Dekorative Fisch schmückte einst ein märchenhaftes Hochhaus im Stil des "Berliner Zuckerbäckerstils" am Frankfurter Tor in Friedrichshain. Nach seinem Abbau wurde er gerettet und in die Museumssammlung aufgenommen. Gründerin Barbara Dechant und ein 120 Mitglieder zählender Verein – darunter der Schriftgestalter Lucas de Groot – engagierten sich jahrelang für das Projekt. Doch seit 2020 haben sich die Besucherzahlen halbiert, und explodierende Energiekosten haben das Museum an den Rand des Ruins getrieben.
Der Standort bleibt vorerst bis Jahresende geöffnet, während die Verantwortlichen nach Lösungen suchen. Dringend wird nach Lagerflächen gesucht, und man hofft, dass eine andere Einrichtung die Sammlung übernimmt. Ohne neuen Standort bleibt die Zukunft dieser historischen Neonbuchstaben ungewiss.
Die Schließung bedeutet das Ende eines einzigartigen Archivs der deutschen visuellen Geschichte. Die Sammlung – von DDR-Schriftzügen bis zu modernen Lettern – braucht dringend einen neuen Ort, um erhalten zu bleiben. Bis dahin stehen der Dekorative Fisch und tausende weitere Neonstücke vor einer ungewissen Zukunft.