Aktivistin stellt Kulturministers Lyrik ins Rampenlicht – und fordert Antworten
Edelgard HolzapfelAktivistin stellt Kulturministers Lyrik ins Rampenlicht – und fordert Antworten
Die Aktivistin Martha Root hat den Debüt-Lyrikband des Kulturministers Wolfram Weimer, „Kopfpilz“, der Deutschen Nationalbibliothek gespendet. Das Buch enthält umstrittene Gedichte, zu denen Root eine Stellungnahme des Ministers fordert. Zudem stellte sie die Sammlung kostenlos online – eine bewusste Provokation angesichts Weimers Haltung zu physischen Medien.
Erstmals auf sich aufmerksam machte Root im Dezember beim Chaos Communication Congress, wo sie ihre Undercover-Recherche auf der rechtsextremen Dating-Plattform „White Date“ enthüllte. Mit ihren jüngsten Aktionen rückt sie nun Weimers frühes Schaffen in den Fokus, das sie für unvereinbar mit seiner heutigen Amtsrolle hält.
Der Band umfasst derbe Stücke wie „Vorfreude“ und „Unglück“. Root plant, ein physisches Exemplar zu versteigern, um „Lesen Hilft“ zu unterstützen – eine Initiative, die linke Buchhandlungen fördert. Ihre Aktionen seien Teil einer grundsätzlichen Debatte über kulturelle Werte, betont sie, und kein persönlicher Angriff.
Weimers Ministerium geriet bereits wegen einer umstrittenen Bibliotheks-Erweiterung unter Druck, die sein Team später als „Moratorium“ umdeutete. Medienberichten zufolge arbeitete zudem seine frühere Firma – heute von seiner Ehefrau geleitet – mit dem Ministerium zusammen, um kritische Berichterstattung zu steuern.
Durch Roots Spende und die Online-Veröffentlichung rückt Weimers frühes Werk erneut in die Kritik. Die Versteigerung soll linke Buchläden finanzieren und die Diskussion am Laufen halten. Zu den Vorwürfen wegen seiner alten Texte hat sich das Ministerium bisher nicht direkt geäußert.






